Diese Website nutzt Cookies. Cookies sind für die korrekte Funktionsweise einer Website wichtig. Einige dieser Cookies sind technisch zwingend notwendig, um Funktionen der Website zu gewährleisten. Darüber hinaus verwenden wir einige Cookies, die uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern. Wenn Sie auf „Ich bin damit einverstanden“ klicken, dann werden sowohl die technisch notwendigen Cookies gespeichert, als auch die Cookies zu Informationen über das Benutzerverhalten. Wenn Sie jedoch auf „Ablehnen“ klicken, dann speichern wir nur die technisch notwendigen Cookies. Weitere Informationen erhalten Sie auf unserer Datenschutzseite.

 

 

 

Living Brain
Ein Projekt zweier Absolventen der Fakultät für Angewandte Psychologie

Was ist "Living Brain"?

Angesiedelt in der Wissenschaftsstadt Heidelberg in einer wachstumsfördernden Umgebung aus Unternehmen, Universitäten und Forschungseinrichtungen widmeten sich zwei Absolventen der Fakultät für Angewandte Psychologie der SRH Hochschule Heidelberg, Barbara Stegmann und Julian Specht, im Mai 2016 einer interessanten Frage: Wie könnte Neurorehabilitation effektiver und zeitgemäßer verlaufen? Wie könnten man die Digitalisierung auch in der Medizin voranbringen und gleichzeitig Menschen helfen?

Auf dem Weg, dieses Problem zu lösen, ist Living Brain entstanden - mit dem Ziel, etwas in der Medizin zu bewegen, das Leben von Patienten und Ärzten zu erleichtern und neue Erkenntnisse in der Psychologie zu gewinnen.

Durch den Einsatz von virtueller Realität wird für den neurochirurgisch behandelten Patienten der Zugang zu einem völlig neuen Tool geschaffen, um kognitive Rehabilitation zu betreiben. Und das völlig unabhängig vom Ort - ob zu Hause auf dem Sofa oder im Krankenhaus. Die Entwicklung dieser Lösung wird fachlich durch die Uniklinik Freiburg sowie die SRH Hochschule Heidelberg unterstützt.

Im April 2017 gewann Living Brain den Sonderpreis für medizinische Innovation beim Rhein-Neckar Startup-Weekend und nahm anschließend am Lifescience Meets IT-Hackathon in Heidelberg teil.

Als eins von vier ausgewählten Startups aus mehreren hundert Bewerbern wurde Living Brain 2017 in den begehrten Accelerator von Merck KgaA in Darmstadt aufgenommen. Im Merck Innovation Center konnte sich das Startup Living Brain durch gezielte Förderung und Coachings weiterentwickeln.

Interview

Vor einer Weile hatten wir die Möglichkeit, unsere beiden Alumnis und Neu-Gründer wieder bei uns für ein kurzes Interview in der Hochschule begrüßen zu dürfen. Das Interview führte Domenic Glas.

D. Glas.: Zunächst einmal ein herzliches Willkommen zurück an der Hochschule, schön dass Ihr hier seid. Ich denke zu allererst solltet Ihr beide euch doch mal vorstellen.

J. Specht: Hi, mein Name ist Julian Specht, ich bin 22 Jahre alt und komme aus Heidelberg. Ich habe an der SRH Hochschule Heidelberg studiert, im Bachelor Wirtschaftspsychologie und bin Co-Founder von Living Brain.

B. Stegmann: Ich bin Barbara Stegmann, 24 Jahre alt, gebürtig aus Hannover, aber fürs Studieren nach Heidelberg gezogen und ich habe auch an der SRH studiert: Psychologie im Bachelor und ich bin ebenfalls Co-Founder von Living Brain.

D. Glas: Nun wenn man mal ein wenig Forscht, was Living Brain ist, dann findet sich dazu auf eurer Homepage (living brain): „Das Entwickeln einer App die die Neuro-Rehabilitation effektiver und zeitgemäßer gestalten soll“. Das ist ja jetzt nicht gerade der klassische Weg, denn unsere Absolventen in der Regel gehen. Wie seid Ihr beiden den auf diese Idee gekommen?

J. Specht: Tatsächlich ist das eher der unübliche Weg! Das hat aber einen guten Grund: Ich war selbst Patient und wurde vor zwei Jahren am Hirn operiert. Vor der Operation habe ich mich viel damit auseinandergesetzt, was während und nach der OP passieren kann. Ich hätte das Gedächtnis verlieren oder Konzentrationsprobleme bekommen können und wäre nicht mehr die Person, die ich vorher gewesen bin. Das hat mir unfassbar Sorgen und Angst bereitet. Daraufhin habe ich mich schlau gemacht welche Hilfsmittel es gibt, was mir helfen könnte. Auf Nachfrage bei meinen Ärzten sagten alle einstimmig: „Herr Specht, das Risiko ist da, aber wir können nicht genau sagen, ob es da etwas gibt“. Mit diesem Problem im Kopf traf ich im Studium auf Barbara. Und gemeinsam ist die Idee zu Living Brain entstanden. Schnell haben wir festgestellt, dass dieses Problem kein Einzelfall ist - hunderttausende Menschen sehen sich jeden Tag in Deutschland mit dieser Situation konfrontiert. Seitdem haben wir tage- und nächtelang überlegt, wie man das angehen kann. Es kann nicht sein, dass es für so viele Menschen keine Möglichkeit gibt, zurück in ihr altes Leben zu finden!

D. Glas: Könnt Ihr uns etwas über eure Erfahrungen bei der Gründung von living brain sagen?

B. Stegmann: Da gibt es sicherlich zahlreiche, die für uns prägend waren. Ich glaube, eine der wichtigsten Erfahrungen ist, dass das erste Businessmodell nie das ist, was endgültig bleibt - das erste ist nie das letzte Modell und das vermeintlich Letzte ist wahrscheinlich auch nicht das Letzte. Wir haben das Businessmodell immer wieder angepasst. Auch die App hat sich verändert. Erst vor kurzem haben wir unser Businessmodell nochmal umgeschmissen. Aber dadurch lernt man, sich immer wieder aus neuen Perspektiven mit dem eigenen Konzept auseinander zusetzen.

D. Glas: Was kann sich der Laie darunter vorstellen, wenn ich die App das erste Mal startet? Wie sieht denn eigentlich eure App aus?

J. Specht: Die App wird geöffnet und schon vor Beginn der tatsächlichen Übung wird der Patient nach allgemeinen Parametern wie dem Wohlbefinden oder aktuellen medizinisch bedeutsamen Ereignissen befragt. Die Übung ist angepasst auf das individuelle Krankheitsbild, denn der Tumorpatient hat möglicherweise andere Anforderungen als der Epilepsiepatient. Das sind alles Faktoren, die auf den kognitiven Status einen besonderen Einfluss haben und die wir mit einfließen lassen müssen. Nur so wird Reha tatsächlich so effektiv wie möglich. Sobald dieser Prozess abgeschlossen ist, beginnt die tatsächliche Übung, in der es dann in die virtuelle Realität geht.

D. Glas: Und wie sieht so eine Übung dann aus?

B. Stegmann: Der Patient bewegt sich innerhalb einer Übung in einer alltagsnahen Umgebung, beispielsweise in einem Supermarkt oder in einem Wohnzimmer. Innerhalb dieser Umgebung hat der Patient dann spielerisch Aufgaben zu erfüllen, die seine Kognitionen trainieren. Beispielsweise muss er eine Einkaufsliste abarbeiten und sich die Items merken oder sich in einer bestimmten Umgebung zurecht finden. Dabei werden bestimmte Daten, wie Zeit oder Fehlerhäufigkeit getrackt, um einen Status quo, aber auch einen Fortschritt sehen und visualisieren zu können. Wichtig ist uns bei allen Übungen, dem Patienten Strategien zu vermitteln, die er im Alltag umsetzen kann.

J. Specht: Anhand dieser Daten lässt sich der Progress des Patienten sehen. Wird er schneller, macht er weniger Fehler? Die Übungen sollen sich vom Schwierigkeitsgrad an die Leistung des Patienten anpassen. Gezielte Lernmechanismen machen die Übungen mit der Zeit stets präziser.

D. Glas: Gibt es Voraussetzungen dafür, wer Living Brain nutzen kann?

J. Specht: Living Brain ist ein Reha-Tool. Für den Anfang konzentrieren wir uns auf Patienten mit milden kognitiven Einschränkungen ohne weitere Grunderkrankungen, aber auch auf Patienten mit diesen Symptomen aufgrund von neurochirurgischen Eingriffen oder Epilepsie. Man muss natürlich dazu sagen, dass es noch eine Vielzahl weiterer Krankheiten gibt, die dauerhaft von so einem Training profitieren können.

D. Glas: In welchen Bereichen konntet Ihr das, was ihr im Studium gelernt habt, in die App einbringen?

J. Specht: Ich muss sagen, ich habe echt viel aus Biologischer Psychologie mitnehmen können. Gerade die grundlegenden Prozesse des Gehirns, neuronale Plastizität und tatsächlich auch neurobiologische Zusammenhänge haben mich dem Thema näher gebracht, denn das ganze Funktionsprinzip von kognitivem Training basiert ja auf neuronaler Plastizität. Hätte ich diesen Einblick nicht in Allgemeiner und Biologischer Psychologie erhalten, dann hätte mir auf jeden Fall ein riesiger Grundstock an Wissen gefehlt, um das konzipieren können.

D. Glas: Die spannende letzte Frage ist: Wie geht’s denn jetzt weiter? Wie sehen die nächsten Wochen, Monate, Jahre mit der Anwendung, mit Living Brain aus?

B. Stegmann: Ganz grob: Im Dezember 2017 haben wir das Minimum Viable Product fertiggestellt. Das haben wir in Darmstadt, bei und mit der Firma Merck präsentiert. Aktuell sind wir auf der Suche nach einem Entwickler, der unser Team ergänzt. Etwas vorausschauender ist geplant, dass wir im Laufe des Jahres 2018 die ersten Pilotstudien machen werden. Wir arbeiten hierfür mit dem Kurpfalzkrankenhaus der SRH Gruppe, dem Uniklinikum Freiburg sowie der Uniklinik Göttingen zusammen. Außerdem suchen wir noch weitere Kooperationen, damit wir die Anwendung noch mehr Patienten zugänglich machen können. Und parallel dazu geht es wie bei jedem Startup um Finanzierung, die größere Konzeptionierung und Umsetzung des ganzen Programms.

D. Glas: Wann rechnet ihr ungefähr mit einem Markteintritt?

B. Stegmann: Das ist in der Branche, in der wir arbeiten, insbesondere im Healthcare Market, schwer zu sagen und hängt auch von einigen bürokratischen Gegebenheiten ab. Wir haben schon einige Hürden genommen und uns stehen noch einige bevor - die nächste Zeit bleibt auf jeden Fall spannend!

Mehr Informationen über das Unternehmen und dessen Gründer erfahren Sie unter:

www.livingbrain.de

Einblicke in Living Brain gibt es in Interviews mit beiden Gründern im Rhein-Neckar-Fernsehen ab Minute 20 und mit dem dem Startup rad.io .

Um auf dem Laufenden zu bleiben, folgen Sie Living Brain auf Facebook !

Und um mehr über die Gründer zu erfahren klicken Sie hier und hier .