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Studium Bachelorstudium Soziale Arbeit Deutschrapper Vega zu Gast bei den angehenden Sozialarbeiter*innen an der SRH Heidelberg

Deutschrapper Vega zu Gast bei den angehenden Sozialarbeiter*innen an der SRH Heidelberg

 

„Manchmal weiss ich nicht mal, welche Mango ich kaufen soll, die auch Bio ist…“

Am Donnerstag dem 28.02.2019 war der bekannte Frankfurter Rapper Vega zu Besuch in Heidelberg. Eingeladen hatte ihn die Professorin Katrin Feldermann, die ihn im letzten Jahr bereits für die von ihr initiierte Fachtagung „439 – von der Straße für die Straße“ gewinnen konnte. Was damals Thema war, konnte nun in einem vertrauten Setting und unter den gespitzten Ohren von 30 Studierenden fortgesetzt werden.

Anlass des Besuchs war die Auseinandersetzung im Seminar mit Texten und Videos deutscher Rapper*innen und die Bedeutung des Raps für die Arbeit mit benachteiligten Jugendlichen. Im Besonderen in Jugendstrafanstalten und der Arbeit in sogenannten Brennpunkten hat Feldermann sehr positive Erfahrungen gemacht, die sie nun den Studierenden näher bringt. Dabei ist die Perspektive der Jugendlichen der Eintritt in diese andere Welt.

„Wenn wir mit Kindern und Jugendlichen arbeiten geht es häufig nicht um eigene Präferenzen und Geschmäcker, sondern darum, was die Jugendlichen begeistert und wie sie ihre Welt beschreiben würden. Es geht nicht darum, dass ich selbst leidenschaftliche Deutschrap hören muss, um die Musik als Verständnishilfe und Brücke zu nutzen“, sagt Feldermann über die Konzeption des Seminars.

Verständnis, damit meint sie vorallem, dass die Sozialarbeiter*innen sich an die Lebenswelt der Jugendlichen annähern sollen. Hier ist Rap eine besondere und wegweisende Form. Um das verständlicher zu machen, hat sie immer mal persönliche Kontakte in Petto, so kam es dass Vega an die Hochschule kam.

Wenn man Vega zuhört versteht man schnell, was sich an der Hochschule über Texte angeeignet wird. Es geht um die Erfahrung anders zu sein, nicht dazu zu gehören, nicht dem zu entsprechen wie „es“ sein soll. Dabei entsteht bei den Künstlern häufig ein Gefühl von Leere aber auch Wut und Unverständnis für eine Gesellschaft, die alle gleich machen will.

 

„Wir sind mitten im Krieg und sie brauchen keine Waffen dafür!
Diese Welt gehört nicht uns, und sie lassen's uns spüren.
Verkaufen Essen das vergiftet, danach Tabletten die das richten.“


(Vega, Alle Kameras an?)

 

Vega sagt, er sei zwar halber Deutscher, deutsch fühle er sich aber nicht und das habe schon früh eingesetzt. Was er wortgewandt und lyrisch in seinen Texten besingt ist die Realität vieler in Deutschland lebender, postmigrantischer Jugendlicher. Es ist eine Realität, die Außenseiter produziert und Chancen verwehrt, lange bevor Sozialarbeiter*innen daran etwas ändern können. Und das als Außenstehender zu begreifen, dabei hilft der Rap. Dabei ist Deutschrap nicht gleich Deutschrap, das weiß auch Vega. Er beschreibt seinen Rap als Form der Auseinandersetzung mit dem, was um ihn herum geschieht und schnell merkt man, er ist nicht nur politisch und sportlich, mit Blick auf seine Eintracht Frankfurt, versiert, hier macht sich jemand (Welt-) umfassende Gedanken.

Während seines Besuches stellt sich nicht nur heraus, dass er ein charismatischer Typ ist, der sehr gut reden kann und dem Image eines gefährlichen Rappers so gar nicht entspricht. Er redet über seinen veganen Lebensstil, seine Liebe zu Tieren, die Sorge über eine unreflektierte Konsumgesellschaft und besorgniserregende, politische Umwälzungen. Während der gemeinsamen Stunden hörten die Studierenden gebannt zu und machten sich hin und wieder Notizen.

Nach vier Stunden bedankt sich Vega für den Nachmittag und die Möglichkeit des gegenseitigen Austausches zu seinen Texten, dann ist das Seminar beendet. Es ist Zeit Fotos zu machen und für einzelne Studierenden die Möglichkeit, nochmal ein kleines Einzelgespräch mit dem Rapper zu führen oder Fragen zu stellen. So wirklich weg will er nicht. Es werden noch Möglichkeiten weiterer Kooperationen ausgelotet und Feldermann und Vega diskutieren munter weiter.

„Wer aufmerksam die Lieder Vegas hört hat die Möglichkeit in eine Welt einzutauchen, in die er oder sie wahrscheinlich sonst keinen Zugang erhält, die jedoch ein Schlüssel zu unseren Mitmenschen sein kann. Es ist wichtig sich mit den eigenen Vorurteilen gegenüber der Szene, gegenüber den Menschen auseinanderzusetzen. Um es auf den Punkt zu bringen, Rap ist Liebe.“ So schließt Feldermann den Tag ab und schickt die jungen Studierenden mit neuen Eindrücken und der festen Überzeugung, dass die Welt an dem Tag wieder ein Stückchen näher zueinander gerückt ist, nach Hause.