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Studium Bachelorstudium Soziale Arbeit Fachtagung "439 - Von der Straße für die Straße"

Fachtagung "439 - Von der Straße für die Straße" Soziale Arbeit an der Schnittstelle zum Straßenrap aus der Sicht der "Anderen" am 21. und 22. Juni 2018 in Frankfurt am Main

Die Organisator*innen v.l.n.r: Tarik Moufid, Katrin Feldermann, Davide Azzaro

Gangster- oder Straßenrap avancierte in den vergangenen Jahren immer mehr zum Thema sozialwissenschaftlicher Auseinandersetzungen. Neben Betrachtungen eben jenen als subkulturelles Phänomen zu diskutieren, standen vor allem die Texte mit ihren teils sexistischen, antisemitischen oder trans- und schwulenfeindlichen Inhalten im Fokus der Debatte. Neben einer kritischen Perspektive auf eben jene Inhalte lohnt es sich (insbesondere im Kontext Sozialer Arbeit) einen erweiterten Blick auf den Straßenrap einzunehmen und ihn als Ansatz für eine ressourcenorientierte Praxis zu betrachten.

Es kann davon ausgegangen werden, dass sich im Straßenrap gegenwärtige gesellschaftliche Verhältnisse zeigen, „die das Leben von bestimmten Kollektiven und Individuen zutiefst und in je spezifischer Weise prägen. (…) Gangsta Rap steht, in welcher Spielart auch immer, für ein gemeinsames und verbindendes Lebensgefühl, nicht zuletzt für einen Kampf um Anerkennung, Selbstbehauptung und Selbstbestimmung von zumeist jüngeren Generationen, die im Ringen um einigermaßen attraktive Handlungs- und Lebensorientierungen sowie zukunftsträchtige Perspektiven eine vielschichtige und längst 'erfolgreiche' Identitätspolitik betreiben“ (Straub 2012, 8).

Im Zuge einer postmigrantischen Gesellschaft gibt es Differenzlinien, die an der Religion und/ oder dem Migrationshinweis gezogen und die Menschen als Folge dessen strukturell ausgeschlossen werden. Gerade migrantische, männliche Jugendliche werden so systematisch verandert und im Bezug zu Vorurteilen adressiert, was zur Folge hat, das eine Annäherung an einander aus gesamtgesellschaftlicher und professioneller Perspektive fast nicht mehr möglich ist. Dem Straßenrap wird diesbezüglich eine Verantwortung unterstellt, so dass er einmal mehr marginalisiert und kriminalisiert wird.

Den Straßenrap als Anlass der Auseinandersetzung zu nehmen und ernsthaft zu versuchen sich einzulassen stellt gemeinhin keine mögliche Variante sozialarbeiterischen Handelns dar. Dass aber genau der Rap mit seinen Texten vermag auszudrücken, was für die einzelnen Akteure Realität ist und dass er vermag aufzufangen, was die Jugendlichen jeden Tag erleben, wird nicht in den Blick genommen. Gerade Jugendliche, die alltäglich die Erfahrung machen nicht in „die“ deutsche Gesellschaft zu passen, unabhängig davon, wo sie geboren wurden oder sich selbst verorten, sehen im Rap ein Sprachrohr und erkennen die Gemeinsamkeiten, die die Musik darbietet. HipHop kann daher „auch als explizit widerständige und empowernde Praxis; mithin als Versuch der (rassifizierten) Subalternen, sich etwas Gehör zu verschaffen“ (Fedders 2017) gesehen werden.

Die Perspektive der Organisator*innen vermag dabei eine Schlüsselrolle zu spielen, da sie sowohl auf dem je eigenen Bild der eigenen Professionalität als Sozialarbeiter*in beruht als auch auf dem Auftrag, ein Stück der Welt des Rap und der rap-affinen Jugendlichen nach außen zu tragen. Bei der Tagung soll Raum geboten werden sich mit der Musik und ihren Kreateuren auseinanderzusetzen und sich einzulassen auf Welten, die jenen, in denen wir uns bewegen, häufig konträr gegenüberstehen. Dabei soll es neben dem Austausch von Akteur*innen, Adressat*innen, Praktiker*innen der Sozialen Arbeit, wie auch Wissenschaftler*innen ebenso die Gelegenheit geben mit Stars der Szene selbst zu sprechen, um ihre Perspektiven auf Rap und ihren Werdegang für andere verstehbar zu machen. Es sollen die Hörenden und Performenden, zu Wort kommen und in einen Austausch treten. Dem liegt die Vorstellung zu Grunde, dass der Sinn des Rap nicht entlang der konkreten Worte zu finden ist, sondern in der Welt selbst, aus der er stammt.

Im Jugendzentrum des Kleinen Zentrum in der Nordweststadt des Junularo e.V. laufen die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren. Da es eine partizipative Veranstaltung wird, sind sowohl Studierende beider Fakultäten als auch Jugendliche des kleinen Jugendzentrums an der Planung beteiligt und werden über die einzelnen Beiträge entscheiden. Der Rahmen dieser Veranstaltung wird nicht direktiv-frontal sondern interaktiv gestaltet. Daher freuen wir uns auf Beiträge, die sich in diesen Rahmen fügen.

Die Veranstaltung wird in den Räumen des Antagon Theaters in Frankfurt stattfinden.

Organisatorische Hinweise
Die Anmeldung zur Tagung erfolgt bis zum 10. Juni 2018 über die SRH Hochschule unter: sozialearbeit.hshd@srh.de

Zielgruppe
Die Konferenz möchte Rap-Interessierten, Schüler*innen, Studierenden, Aktivist*innen, Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen aus den verschiedensten Bereichen eine Möglichkeit zum Austausch zu bieten.

In Zusammenarbeit mit der Frankfurt University of Applied Sciences, Katrin Feldermann von der SRH Hochschule Heidelberg, Alice Blum von der Universität Gießen und Tarik Moufid vom Junularo e.V.

Zu den Ideengeber*innen:

Tarik Moufid arbeitet im Jugendzentrum im Kleinen Zentrum in der Nord-Weststadt Frankfurts. Gleichzeitig unterstützt er ehrenamtlich den Aufbau von Jugendverbandsarbeit in Frankfurter Moscheen. Als langjähriger Freund vieler Frankfurter Deutschrapper ist er nicht nur Insider, sondern kann bestens seine Blicke auf den Deutschrap und seine Profession verschränken und vermitteln. Durch ihn konnten namhafte Rapper für die Pleni gewonnen werden, die innerhalb des Fachtages einen bedeutenden Raum einnehmen.

Katrin Feldermann hat eine Vertretungsprofessur an der SRH Hochschule in Heidelberg mit dem Schwerpunkt Ästhetische Bildung. Sie arbeitet zudem in verschiedenen Kontexten (ehrenamtlich), wie zum Beispiel Jugendgefängnissen und hat sich das, worum sie sich am meisten Gedanken macht, zur Leidenschaft gemacht: die Verbindung ästhetischen Ausdrucks in Form von Musik und Bewegung mit der Lebenswelt derjenigen, die nur einen marginalen Platz in unserer Gesellschaft einnehmen. Aus diesem Grund war es ihr ein Herzensanliegen, den Blick auf den Deutschrap um die Sicht der Jugendlichen und der Rapper zu erweitern und so die Lebensweltorientierte Soziale Arbeit zurück zu ihren Ansprüchen zu führen.

Alice Blum ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Hier arbeitet sie mit einem Schwerpunkt in der Lehre für interkulturelle Pädagogik und promoviert zur sog. Neuen Rechten.