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Studium Masterstudium Psychologie Rechtspsychologie Abschlussarbeiten: Master-Preis

Absolventin des Studienganges Rechtspsychologie Stefanie Ballscheidt erhält den Master-Preis für ihre Abschlussarbeit

„Extremistische Einstellungen messbar machen: Weisen implizite im Gegensatz zu expliziten Messverfahren einen höheren Prognosewert für Radikalisierungstendenzen auf?“

Die Absolventin Stefanie Ballscheidt bei der Masterzeugnisübergabe mit Studiengangsleiter Prof. Dr. Niels Habermann

Das Sprengstoffattentat auf ein Musik-Festival in Ansbach im Juli 2016, der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember 2016 und die Messerattacke in einem Hamburger Supermarkt im Juli 2017 verdeutlichen, dass islamistischer Terror auch Deutschland erreicht hat. Der deutliche Anstieg der Zahl radikaler gewaltbereiter Islamisten in Deutschland stellt die Behörden vor neue Herausforderungen. Anti-Terror-Maßnahmen nehmen eine immer wichtigere Rolle im Rahmen der Kriminalprävention ein. Dabei liegt der Forschungsschwerpunkt u. a. auf der Früherkennung von Radikalisierungstendenzen.

Im Rahmen ihrer Master-Thesis verfolgte Frau Ballscheidt das Ziel, ein Messverfahren zu entwickeln, mit dem die Einstellung einer Person zu einerseits muslimisch religiösen, andererseits islamistisch extremistischen Bildinhalten objektiv erfasst werden kann. Mit bemerkenswerter Eigenständigkeit und Kreativität entwickelte sie dazu ein mittels Internet durchführbares Verfahren und erhielt damit die Daten von 175 Personen.

Zur objektiven Erfassung der positiven oder negativen Einstellung einer Person zu religiösem und extremistisch-islamistischem Bildmaterial diente ein eigens entwickelter impliziter Assoziationstest. Die Versuchspersonen sahen dabei religiöse und islamistische Fotos, die sie korrekt als religiös oder islamistisch kategorisieren sollten. Es standen jeweils zwei Kategorien zur Auswahl. Die Kategorien bestanden jeweils aus einem Assoziationspaar, das sich aus der Kombination der Wörter religiös oder islamistisch mit den Wörtern positiv oder negativ zusammensetzte. In der ersten Testphase konnten die Bilder entweder der Kategorie religiös-positiv oder der Kategorie islamistisch-negativ zugeordnet werden. In der zweiten Testphase standen für die Zuordnung die Kategorien religiös-negativ und islamistisch-positiv zur Verfügung. Als abhängige Variable erfasste Frau Ballscheidt die Reaktionszeiten der Versuchspersonen bei jedem korrekten Zuordnungsvorgang. Sie verwendete diese Reaktionszeiten als Maß für die Assoziationsstärke der Versuchsperson in Bezug auf das jeweilige Assoziationspaar einer Kategorie (z.B. religiös-positiv). Je geringer die Reaktionszeit bei der richtigen Zuordnung eines Bildes zu einer Kategorie, desto stärker ist die Assoziation einer Versuchsperson zwischen den Wörtern des Assoziationspaares. Um diese impliziten mit expliziten Maßen vergleichen zu können, erfasste Frau Ballscheidt darüber hinaus die explizite Einschätzung der Bilder und ließ die Teilnehmer Fragen zu Moralitäts-, Autoritäts- und Gewaltvorstellungen beantworten.

Im Ergebnis zeigten die Versuchspersonen im impliziten Testteil eine höhere Assoziationsstärke für das Assoziationspaar islamistisch-negativ als für das Assoziationspaar islamistisch-positiv. Auch im expliziten Teil bewerteten sie die religiösen Bilder positiver als die islamistischen Bilder. Darüber hinaus konnte Frau Ballscheidt signifikante Gruppenunterscheide aufgrund von Bildung, Religiosität und politischer Orientierung feststellen.

Im Rahmen ihrer Diskussion zeigte Frau Ballscheidt eine herausragende Reflexionsfähigkeit hinsichtlich ihrer Methodik und zulässiger Schlussfolgerungen. Wenngleich sich in dieser Untersuchung keine signifikanten Unterschiede zwischen impliziter und expliziter Messung fanden, sprechen die Befunde doch für die grundsätzliche Anwendbarkeit eines impliziten Messverfahrens zur Erfassung und Differenzierung religiöser und islamistischer Tendenzen. Um in einer Folgestudie gezielt junge Muslime als Testpersonen gewinnen zu können, lernt Frau Ballscheidt seit einiger Zeit arabisch. Insgesamt leistete die künftige Rechtspsychologin mit ihrer methodisch sehr anspruchsvollen Arbeit einen wichtigen Beitrag zu aktuellen Versuchen, Prognoseinstrumente zur Früherkennung von islamistischen Radikalisierungstendenzen zu entwickeln, was angesichts der nicht geringen Wahrscheinlichkeit weiterer derartig motivierter Terroranschläge von außerordentlicher gesellschaftlicher Relevanz ist.

Der Master-Preis wird unter allen Master-Absolventen/-innen der Hochschule verliehen. Dazu werden seitens der Dekane besonders innovative und hochqualitative Master-Thesen bei der Preis-Jury eingereicht, die zunächst hinsichtlich der Preiswürdigkeit geprüft werden. Im Anschluss daran berät sich die Preis-Jury und bestimmt die Master-Thesis, die auf der Absolventen-Feier mit dem Master-Preis ausgezeichnet werden soll.

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Svenja Jasmin Haußner

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Fakultät für Angewandte Psychologie
Länderbeauftragte Belarus
Raum 1.37
Maria-Probst-Str. 3
69123 Heidelberg
Telefon +49 6221 8223-023 E-Mail schreiben
Niels Habermann

Prof. Dr. Niels Habermann

Professor

Fakultät für Angewandte Psychologie
Studiengangsleiter Rechtspsychologie (M.Sc.)
Raum 1.37
Maria-Probst-Str. 3
69123 Heidelberg
Telefon +49 6221 8223-199 E-Mail schreiben