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Stille Wasser sind tief - Studium für Gehörlose

Der Hörende drückt sich durch sprachliche Laute aus, um mit seiner Umwelt in Kontakt zu treten. Das ist vor allem im Beruf enorm wichtig.

Stille Wasser sind tief - Studium für Gehörlose
Foto: (Quelle SRH, Fotografin Kathrin Klee)

Der Hörende drückt sich durch sprachliche Laute aus, um mit seiner Umwelt in Kontakt zu treten. Das ist vor allem im Beruf enorm wichtig. Gehörlose sind auf die Gebärdensprache angewiesen. In Ausbildungsstätten und Firmen, die hauptsächlich auf Menschen mit gesundem Trommelfell eingestellt sind, haben Gehörlose trotz gleicher Kompetenz eindeutig Nachteile.

Aus diesem Grund bietet die SRH Hochschule Heidelberg den Gehörlosen eine individuelle Betreuung an. Sie werden in der Ausbildung und privat von Gebärdendolmetschern betreut. In Kooperation mit der Hochschule stellt die SRH Berufliche Rehabilitation die Übersetzer und die Betreuer.

Jana Kapralow ist eine dieser Studentinnen. Die 25jährige berichtet im Interview über ihren Studentenalltag und das Campusleben:

Redaktion:
Frau Kapralow, Sie studieren im 6. Semester BWL an der SRH Hochschule Heidelberg. Diese ermöglicht es Gehörlosen in der Gruppe Hörender zu studieren. Wie sind Sie auf die Hochschule gestoßen und warum haben Sie sich für diese entschieden?


Kapralow:
Ich bin durch eigene Recherche im Internet auf die SRH Hochschule gestoßen. Dafür entschieden habe ich mich, da mir die Hilfe durch einen Gebärdendolmetscher und die Betreuung rund ums Studium sehr gut gefallen hat. Auf der Homepage konnte ich alles über die angebotenen Leistungen erfahren.

Redaktion:
Wie sieht ihr Studentenalltag aus?


Kapralow:
Ich stehe morgens auf und gehe zur Hochschule. In meiner Vorlesung oder in meinem Seminar sitzt bereits ein Gebärdendolmetscher, der auf mich wartet. Er begleitet mich den ganzen Tag hindurch bis zum Abend. So kann ich sicher sein, dass keine wichtigen Informationen verloren gehen. Durch Arbeitsskripte, die ich von den Dozenten zur Verfügung gestellt bekomme, kann ich mir zudem den Lerninhalt noch einmal anschauen.

Redaktion:
Was ist Ihnen an der Unterstützung im Studium besonders wichtig?


Kapralow:
Die ständige Begleitung der Gebärdendolmetscher. Sie sind eine große Hilfe, um mich aktiv am Studium beteiligen zu können.

Redaktion:
Viele Studenten wohnen und leben auf dem Campus. Wie ist das bei Ihnen? Wie ist das für Gehörlose realisiert?


Kapralow:
Ja, ich wohne auch auf dem Campus und genieße das sehr. Die Wege sind kürzer und durch Hilfsmittel in der Wohnung, einer Lichtsignalanlage, kann ich sicher sein, wichtige Termine nicht zu verpassen. Außerdem kann ich mir, bei Bedarf, einen Lichtwecker ausleihen.

Redaktion:
Die Hochschule bietet ein großes Sportprogramm neben dem Studium an. Treiben Sie eine Sportart an der Hochschule und wenn ja, welche?


Kapralow:
Ja, ich spiele sehr gerne Volleyball. Das ist meine Leidenschaft. Da bin ich sehr aktiv. Außerhalb der Hochschule fotografiere ich gerne und treffe mich gerne mit Freunden.

Redaktion:
Fühlen Sie sich durch die breit gefächerte Unterstützung aktiv in die Studiengemeinschaft integriert?


Kapralow:
Ich habe viel Kontakt zu anderen Studenten. Ich habe Freundschaften sowohl zu Hörenden als auch zu Gehörlosen geschlossen. Der Kontakt von Gehörlosen zu Hörenden durch das Studium und das Campusleben ist optimal gelöst.

Redaktion:
Was machen Sie, wenn sie mal zum Arzt oder aufs Amt müssen?


Kapralow:
Der Gebärdendolmetscher steht mir auch hierbei zur Verfügung. Es gibt aber auch einen Arzt auf dem Campus, der eine gute Kommunikationskompetenz zu Gehörlosen hat. Für die Kommunikation mit dem Amt gibt es Case-Manager. Sie sind das Bindeglied zwischen mir als Studentin und dem Kostenträger, denn die Ausbildung wird unterstützt, bei mir beispielsweise vom Arbeitsamt.

Redaktion:
Glauben Sie an einer Hochschule ohne besondere Betreuung genauso studieren zu können? Was sind die essentiellen Unterschiede?


Kapralow:
Ich glaube schon, dass ich an einer Hochschule ohne besondere Unterstützung studieren könnte. Allerdings wäre es wesentlich schwerer, da der Gebärdendolmetscher fehlt und man viele wichtige Dinge so nicht mitbekommt.

Redaktion:
Was kann man Ihrer Meinung nach noch verbessern?


Kapralow:
Es wäre super, wenn es noch einen zusätzlichen Gebärdendolmetscher gäbe, der die Zeiten zwischen den Arbeitszeiten der einzelnen Gebärdendolmetscher überbrückt.

Redaktion:
Was möchten Sie nach Ihrem Studium gerne machen?


Kapralow:
Ich würde gerne in der Steuerberatung oder im Personalwesen arbeiten.

Redaktion:
Die Hochschule kümmert sich um die Vermittlung eines Arbeitsplatzes, um Sie aktiv ins Berufsleben zu integrieren. Wo sehen Sie hierbei die Vorteile?


Kapralow:
Ich denke der Einstieg ist wesentlich leichter. Es ist immer gut engen Kontakt zur Hochschule zu haben. Sie kann vieles ermöglichen und pflegt wichtige Beziehungen zu den Unternehmen. Sie kann mich an Firmen vermitteln, die gut zu mir passen und auf meine Bedürfnisse eingehen.